Drei-Länder-Donau-Wanderfahrt 2015

4. September 2015 | Von | Kategorie: Wanderrudern

Vom 3. bis 16. Juli beteiligten sich die beiden Berichter an dieser Tour durch die Länder Österreich, Slowakei und Ungarn. Veranstaltet wurde sie vom Österreichische Ruderverband (ÖRV); die Organisatoren waren Fritz Stowasser (RV Normannen Klosterneuburg) und Günter Zimmermann (Wiener RV Donauhort). Für die deutschen Teilnehmer hatte Hans-Heinrich Busse (RG Hansa Hamburg) die Koordination übernommen. Insgesamt haben sich 33 Personen beteiligt, wobei nach einer Woche fünf die Fahrt beendeten und fünf andere hinzukamen.

Ein Kanute aus Serbien war zum permanenten Landdienst für das Gespann angeheuert; der zweite Bus wurde von täglich wechselnden Teams bewegt, denen auch die Organisation des mittäglichen Picknicks bzw. das Ansteuern von Gaststätten auferlegt waren. Gerudert wurde in fünf Vierern mit Steuermann, von denen zwei der RV Normannen Klosterneuburg und einen der Wiener RV Donauhort stellte und die restlichen vom ehemaligen Steuermann des DRV, Manfred Klein (Gold- und Bronzemedaillengewinner bei Olympischen Spielen und dreimaliger Weltmeister sowie 1992 Fahnenträger der Deutschen Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Barcelona), zur Verfügung gestellt wurden. Die nationale Beteiligung der Ruderinnen und Ruderer war ausgewogen: 16 aus Österreich, 15 aus Deutschland und ein Holländer von einem Verein aus der Schweiz. Aus Österreich und Deutschland waren jeweils neun Vereine beteiligt, insgesamt waren es also 19. Ein leichtes Ungleichgewicht gab es lediglich bei den Geschlechtern: 14 Damen und 18 Herren. Insgesamt wurden 513 Kilometer an elf Tagen bewältigt und drei Schleusen überwunden, wobei Schwimmwesten angelegt werden mussten. In Budapest wurde ein Ruhetag eingelegt und in Esztergom/Visegrad ein halber Tag, Die Tagesetappen waren moderat, abgesehen von der ersten mit 70 Kilometern. Die kürzeste Strecke betrug 26 Kilometer. Der Berufsschifffahrtsverkehr war gering und niemals eine lästige Behinderung. Er ließ hinter Budapest deutlich nach, insbesondere auch was die Kreuzfahrtschiffe angeht. Die vom GPS erfasste Maximalgeschwindigkeit betrug knapp 20 km/h; im Schnitt waren es wohl so zwischen zehn und 13. Wenn die Boote abends über eine längere Strecke getragen werden mussten, war eine sophistische Bootswagen-Eigenkonstruktion eine große Hilfe.

Die jeweiligen Endpunkte der Tagesetappen waren: Bratislava, Gabcikovo, Komarno (alle in der Slowakei), Esztergom, Visegrad, Budapest-Romai, Ráckeve, Dunaföldvár, Kalocsa, Baja und Mohacs. Boots-, Gespann- und/oder Autoschäden gab es keine. Die Unterkünfte waren immer sehr gut bis bestens (auch in einem Schloss vom Prinzen Eugen!) und z.T. fußläufig erreichbar. Auch die Unterkunft in Häusern auf einem Campingplatz, wo sich mehrere die Nasszellen zu teilen hatten – und es z.T. auch etwas beengter war – führt nur sehr vereinzelt zu unfrohen Äußerungen. Die Verpflegung war immer schmackhaft und reichlich, manchmal vielleicht etwas schwerer im Magen liegend (aber dagegen gibt es ja Abhilfen). Sonderwünsche wurden immer berücksichtigt. Einmal allerdings ging das Abendessen ziemlich daneben, wohl weil man mit uns trotz Vorbestellung nicht gerechnet hatte!? Das Küchenpersonal ergriff nach einem Rüffel des Chefs die Flucht und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Deswegen wurde andere einbestellt und irgendwie sind wohl alle doch einigermaßen satt geworden, wenn auch nicht von dem bestellten Gericht. Das Wetter war überwiegend überoptimal, da es sehr heiß und phasenweise auch sehr schwül war. Abhilfe taten hier die zahlreichen Anlandungen am Ufer oder auf Kies- bzw. Sandbänken. Der niedrige Wasserstand ließ vielfach problemlose Stopps zu. Mehrheitlich wurde das zu Abkühlungen in den Fluten der überwiegend undurchsichtigen grünlichen – von wegen: blauen! – Donau genutzt, oft im FKK-Modus. Beeindruckend waren auch die Schleifspuren der unzähligen Flussmuscheln. Tagsüber wurden Unmengen von Wasser getrunken, abends wurde überwiegend Bier zur Verdünnung eingesetzt. Regenkleidung wurde kaum benötigt und abends war bei vielen ‚Waschtag’ mit der Folge, dass die Zweitgarnituren kaum zum Einsatz kommen musste.

Die Reise für sich war schon Highlight genug und trotzdem seien einige der an der Strecke liegende Sehenswürdigkeiten auch kurz erwähnt: die Durchfahrt durch Wien in der Rinne des Donaukanals (auch wenn man tief liegend sehr wenig von der Stadt sieht – in dem Sinne ist sie eher unspektakulär bis auf das unmittelbar an ihr liegende Hundertwasser-Heizkraftwerk); die anschließenden Donauauen (die uns die gesamte Strecke immer wieder mal – manchmal stunden- und hinter Budapest tagelang – begleiteten); die Burganlage am Schlossberg in Hainburg; wenig später die Burg Theben, schon auf slowakischem Gelände; die schon kilometerweit sichtbare weiß glänzende Burg in Bratislava; die Durchfahrt durch diese Stadt; insgesamt die Weite und Breite der Donau, die wir überwiegend ganz für uns alleine hatten; 2 Sonderschleusungen (beruhend auf Beziehungen zu den Schifffahrtsverwaltungen) auf dem ehemaligen und jetzt total idyllischen Schifffahrtsweg, die uns die Strecke auf dem befahrenen und wenig reizvollen geraden neueren Kanal ersparte; allerdings mussten wir hinter dem Schleusenkanal ca. 3 Kilometer stromauf rackern um zum Picknick zu gelangen, was wir dann auch reichlich verdient hatten; Fort Monostor vor Komarno; die Zufahrt auf Esztergom mit der gewaltigen Basilika (aus der Rollsitzperspektive ist sie erst recht spät zu sehen, dafür aber ist das sehr eindrucksvoll; glücklich waren die, die spät abends noch auf die Brücke zur Slowakei gingen, um die angestrahlte Anlage von dort aus zu sehen); die Besichtigung der Basilika, ebenso wie die Zitadelle in Visegrad (mit einmaliger Sicht auf den Fluss); die tags darauf erfolgte Vorbeifahrt an beiden Sehenswürdigkeiten; die Passage auf der Szentendre-Donau mit Blick auf das Städtchen (das einige von uns auch besichtigten) mit seinen vielen Kirchen; die Führung per Bus und zu Fuß durch Budapest (einprägsam auch die Aussage über einen einsitzenden gastronomischen Finanzjongleur: „Er hat nicht gut Steuern bezahlt!“); die Durchfahrt durch Budapest am Parlament, Burgpalast und Gellert-Hügel vorbei sowie unter der Kettenbrücke als besondere Höhepunkte. Herrlich war auch außerhalb der Städte die unberührte Natur. Neben vielen häufig vorkommenden Vögeln (Reiher, Möwen, Kormorane, Störchen, usw.) konnten wir auch einige Seidenreiher beobachten. Ein besonderes Erlebnis waren 2 umher fliegende Pirole, von denen man sonst nur ihr charakteristisches Flöten hörte. Insgesamt eine herrliche Abwechslung zwischen Natur und Kultur – beides pur: eine Kreuzfahrt im Ruderboot.

Erwähnt werden sollen nicht zuletzt auch die Vorträge und Gesänge von Lutz und Werner bei der immer fröhlichen Abendstimmung. Dem im Aufbau sich befindenden Ruderverein in Donavöldvár wurde ein defekter geklinkerter alter Renn-Dreier als Geschenk vermacht (bis dahin als ‚Zierde’ auf dem Bootswagen transportiert), der aber sicherlich wieder ordentlich in Stand gesetzt werden wird, um dann dort gute Dienste zu ermöglichen. Im Namen aller richteten Elke Siemßen und Hans-Heinrich Dankesworte verbunden mit kleinen Geschenken an die Veranstalter, die diese organisatorisch sehr aufwendige unvergessliche Tour ermöglicht haben. Dabei wurde auch die Hoffnung geäußert, dass auf anderen Gewässern in ähnlicher Runde eine Fortsetzung erfolgen sollte.

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Zusammen mit Manfred Klein, einem der erfolgreichsten deutschen Sportler aller Zeiten

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Vor der Burg in Bratislava: eine einmalige Kulisse!