Mit dem „Trabbi“ auf Platz neun

13. Oktober 2014 | Von | Kategorie: Leistungssport

Eschwege. Patellasehnenreizung, Mandelentzündung, Pfeiffersches Drüsenfieber: die Liste der krankheits- und verletzungsbedingten Ausfälle bei unserer ist in unserer Trainingsmannschaft in dieser Saison ungewöhnlich lang. Und als ob das nicht genug wäre, meldete sich kurz vor den Deutschen Sprintmeisterschaften mit Vincent Bischoff erneut ein Leistungsträger aus dem Dreiflüsse-Vierer bei unserem Trainer Thomas Kossert krank. Dieser machte aus der Not eine Tugend und setzte mit Julian Rudat kurzerhand einen 16-jährigen B-Junioren in unser Paradeboot, das auf den Regatten des Deutschen Ruderverbandes aktuell in der höheren Altersklasse der A-Junioren (17/18 Jahre) startet.

Auch beim Bootsmaterial mussten sich unsere Jungs zunächst umgewöhnen. Da im U19-Bereich der Doppelvierer nur noch ohne Steuermann gefahren wird und unser Verein kein solches Boot besitzt, mussten wir uns extra für die Meisterschaft einen Vierer von der Ruderriege der Universität Göttingen in Wilhelmshausen leihen. Dabei handelte es sich um ein älteres Fabrikat, das noch zu DDR-Zeiten vom „VEB Yachtbau Berlin“ gefertigt worden war. „Wir mussten gewissermaßen mit einem Trabbi gegen lauter neue und leichte BMWs und Porsche antreten“, erklärt Kossi die Ausgangslage vor der Regatta. Entsprechend holprig gingen Schlagmann Bastian Trinsch, Niklas Scheler, Friso Kahler und Neuling Julian Rudat im Vorlauf aus den Startblöcken und durchquerten als Letzte die Ziellinie. Erst im Hoffnungslauf zeigten unsere Nachwuchsruderer, dass sie keinesfalls ein Zwei-, sondern vielmehr ein gut funktionierender Viertakter sind. Trotz einer Leistungssteigerung von fast drei Sekunden im Vergleich zum Vorlauf, reichte es jedoch nicht zum Einzug ins Finale über die für Zuschauer sehr attraktive Sprintdistanz von 350 Metern.

Umso gespannter blickten die zahlreich aus Münden angereisten Fans und Familienangehörigen auf Bastian Trinsch und Niklas Scheler, die ihr Glück zusätzlich zum Vierer auch noch im Doppelzweier versuchten. Mit einem sehr guten zweiten Platz qualifizierten sich unsere beiden A-Junioren souverän für das Halbfinale. Dort mussten sie das hochkarätige Feld jedoch nach einem Steuerfehler ziehen lassen. Im anschließenden kleinen Finale durchquerten Basti und Niki als viertes Boot die Ziellinie und belegten damit den zehnten Rang in der Gesamtwertung. Trotz dieses vermeintlichen Dämpers für unsere zuletzt sehr erfolgsverwöhnten Truppe zog unser Trainer Kossi eine positive Bilanz: „Wir haben aufgrund des Ausfalls von Vincent frühzeitig einen Generationswechsel im Vierer einleiten müssen.“ Gegen bis zu zwei Jahre ältere Gegner dürfe man – zumal mit einem Leihboot – keine Wunder erwarten. Nach der Sprintmeisterschaft ist dabei vor der Deutschen Jahrgangsmeisterschaft und unsere jungen Athleten werden noch in dieser Woche mit ihrem Wintertrainingsprogramm beginnen, um in acht Monaten in Köln über die olympische Distanz von 2.000 Metern erneut um deutsche Meisterehren zu kämpfen.