Voll über die Seen gegurkt

2. September 2012 | Von | Kategorie: Wanderrudern

Eigentlich wollte ich beim großen Medaillen-Tippspiel des rudersports einen SpeedCoach für die Jugendabteilung des Mündener Rudervereins gewinnen. Doch da ich das richtige Ergebnis knapp verfehlt hatte, musste ich mich mit dem zweiten Platz und dem damit verbundenen Gutschein für ein Wochenende im Ferienpark am Wangnitzsee begnügen. Meine anfängliche Enttäuschung wich schnell heller Vorfreude, denn der See gehört zur wunderschönen Mecklenburgischen Kleinseenplatte an der Grenze zu Brandenburg. Nachdem ich über die Homepage des Ferienparks zudem erfahren hatte, dass man dort sogar Ruderboote mieten kann, gab es kein Halten mehr und am 31. August machte ich mit einem Mündener Ruderkameraden von der Dreiflüssestadt auf in Richtung Osten, um den Gutschein einzulösen.

„In Brandenburg, in Brandenburg ist wieder jemand gegen einen Baum gegurkt…“, tönte Rainald Grebe aus den Autolautsprechern und anhand der zahlreichen Holzkreuze am Wegesrand wurde uns schnell klar, worauf er damit anspielte. Entsprechend vorsichtig fuhren wir, vorbei an Truppenübungsplätzen, endlosen Wäldern und fast menschenleeren Dörfern, weiter, bis wir um kurz vor Mitternacht endlich unser Ziel erreichten und todmüde unsere Ferienwohnung bezogen.

Erst am nächsten Morgen konnten wir die Gegend genauer inspizieren. Der Ferienpark liegt auf dem Gelände des alten Sägewerks Düsterförde und sieht auf den ersten Blick aus wie ein ganz normaler Campingplatz. Doch auf den zweiten fällt die große Lagerhalle in der Mitte des Platzes auf, die von der Betreiberin zu einer Bootshalle umfunktioniert wurde in der zahlreiche ausgediente Boote des Berliner Ruderclubs ihr Gnadenbrot erhalten. Nachdem wir ganz oben im Lager einen alten Rennzweier aus Holz erblickt hatten, brachten wir schnell unsere Skulls zum Steg und machten die ersten Schläge auf dem für Motorboote gesperrten Wangnitzsee. Erleichtert stellten wir fest, dass es auf dem See wesentlich ruhiger als auf den umliegenden Straßen zugeht und hier lediglich Enten, Möwen sowie andere Wasservögel herumgurken, die für lange Zeit unsere einzigen Begleiter waren. Hier und da kreuzten Ringelnattern das Fahrwasser und hoch oben am Himmel beobachtete ein Fischadler aufmerksam jeden unserer Schläge. Wir bogen in den Priepertsee ab, wo uns nun auch andere Wasserwanderer und Motorboote begegneten. Vorbei an den von Seerosen und Schilf gesäumten Ufern fuhren wir Richtung Priepert und weiter in den Ellbogensee bevor wir gemütlich zurück zum Ferienpark ruderten.

Zum Abendessen gab es im dortigen Restaurant Pute am Spieß. Schnell füllte sich die Seeterrasse mit zahlreichen weiteren Gästen und Ruderkameraden vom Berliner RC. Nach den Strapazen des Tages verschlangen wir gierig Stück um Stück des Hühnervogels zu dem köstliche hausgemachte Salate gereicht wurden. Nachdem die untergehende Abendsonne den See in ein dunkles Rot getaucht hatte, rückten wir mit der einsetzenden Dämmerung alle um das große Lagerfeuer zusammen. Ein paar Kanuten aus Dresden gaben allerlei Trink- und Volkslieder zum Besten und auch wir wurden mit jedem Bier textsicherer und saßen noch sehr lange in dieser Vollmondnacht am Feuer.

Am nächsten Morgen ruderten wir an der südlichen Mündung des Sees zunächst nach Westen in den Kanal zum Finowsee und von dort durch die kleine Holzbrücke in den Drewensee. Danach bogen wir beim Ahrensberger Gutshof in den Kanal zum Woblitzsee ein, dem wir bis zur Wesenberger Schleuse folgten. Hier machten wir wieder kehrt, um nach einem erneuten Abstecher in den Drewen- gemächlich wieder zurück in den Wangnitzsee zu rudern. Ein Blick auf die Uhr verriet uns, dass es höchste Zeit zum Aufbruch war. Das Wochenende war wie im Flug vergangen und wie immer viel zu kurz gewesen. Doch wir haben uns fest vorgenommen im nächsten Jahr noch einmal wieder zu kommen, um auch die verbliebenen Seen und Kanäle in dieser nahezu unberührten Natur zu erkunden.